basic philosophy nach Schopenhauer

Schopenhauer - Einleitung in die Philosophie 10

Schopenhauers Einleitungsvorlesung (Schluss, werde aber sonst noch spannende Themen bringen)

Also, dass wir das Ding nicht, wie es an sich ist, erkennen, sondern nur Erscheinungen, die wir in je unsere Vorstellungen umwandeln, ist Kants grosse Entdeckung, meint Schopenhauer. Nun his masters voice weiter:

Kant führte bei dieser Gelegenheit die Philosophie so sehr von der Aussenwelt in die Innenwelt zurück, warf ein so helles Licht in das Subjekt des Erkennens, zeigte eine so grosse Bedeutsamkeit des Subjekts im Verhältnis zu allem möglichen Objekt, dass sich der Philosophie ein ganz neuer Weg, eine neue Sphäre eröffnete, die bis dahin unbekannt war, ja die Kant selbst noch nicht erblickte, weil seine Kräfte, so ausserordentlich sie auch waren, durch das, was er geleistet, ihr Mass erfüllt hatten, so dass er, weil er nicht zum zweiten Mal jung werden und einen neuen Anlauf nehmen, zwar die Menschheit um ein Grosses weiter brachte, jedoch auf einem Punkt, auf welchem sie nicht auch nur einige Jahre hindurch still stehen konnte, sondern sogleich das Bedürfnis fühlte, weiter zu gehen, den ersten besten, die sich darboten, sich als ihren Führern anvertraute (sie als grosse Propheten ausschreiend, aber das Geschrei auch wieder verhallen liesse) und die sonderbare Periode zahlloser Ausgeburten, ephemerischer [schemenhaft], z.T. monströser Erscheinungen erlebte [wie den Scharlatan Hegel], welche die Geschichte der letzten 30 Jahre ausmachen. Dies Alles beweist, dass Kant nichts weniger leistete, als was er vermeinte, eine endliche Entscheidung aller metaphysischen Streitigkeiten und einen endlichen Ruhepunkt der Philosophie, sondern ganz im Gegenteil eröffnete er eine neue Bahn, die so einladend war, dass Unzählige sie betraten, ohne das einer mit dauerndem Glück und sichtbarem Gewinn sie gegangen wäre [ausser natürlich Schopenhauer selber].

Wie wichtig, wie inhaltsreich Kants Schriften sein müssen, ist dem angeführten zu entnehmen: daher ich Jedem das Studium derselben empfehle [wer hat die KrV schon mal durch-gelesen, Schopi hat sie in versch. Lebensaltern studiert]. Wer es ernstlich treibt und fähig ist einzudringen, wird einen ganz anderen Blick in die Welt erlangen; die Dinge in anderem Licht sehen, er wird sich und der Dinge mit mehr Besonnenheit bewusst sein und merken, dass die Erscheinungen nicht das Ding an sich ist.

Wer die Schriften Kants studiert hat, wird mich (Schopi) viel leichter verstehen. Ich setze die Kantsche Philosophie aber nicht voraus, vielmehr werde ich die Hauptlehren derselben am geg. Ort ausführlich darstellen. Viele Lehren Kants habe ich als unrichtig befunden und in einer Kritik seiner Philosophie [in Welt als Wille und Vorstellung] dargetan.
Kants Hauptlehren, welche ich beibehalte, sind gerade die einfachsten [z.B. Ding an sich] …

Nun aber wieder, um Kant ganz und gar zu verstehen ist es von grossem Nutzen, ja notwendig, seine Vorgänger zu kennen, einerseits Leibnitz und Wolf, andererseits Locke und Hume [Letzterer hat Kant gem. eigenem Bekunden aus dem dogmatischen Schlummer geweckt]
Erst nachdem man durch Kant auf einen viel höheren Standpunkt gestellt, nun mit Superiorität gerüstet, zu diesen Lehrern des vor-vorigen Jh. zurückkehrt, sieht man, wo sie eigentliche fehlten [fehlerhaft waren], ist erstaunt, wie sie so grosse Dinge, so starke Unterschiede übersehen konnten, und indem man von ihnen lernt, wo die Fehlstritte waren, versteht man den Kant viel besser als vorher und ermisst die Grösse seines Verdienst [der Blick geht also hin und her]

Einen ganz ähnlichen Nutzen gewährt nun durchgehend das Studium der Geschichte der Philosophie. Es ist eine Geschichte von Irrtümern, aber sie sind überall mit Wahrheit vermischt, und diese Wahrheiten lernt man vollständiger und gründlicher kennen, nachdem man sich daran geübt hat, die Irrtümer auszusondern.
Schopenhauer kann diese Geschichte nicht vortragen, sondern muss die Resultate seines Studiums, seinen Standpunkt vortragen. - Fertig
Werde noch einen interessanten Philosophen vorstellen, auf den ich zufällig gestossen bin, der Kant und Schopenhauer quasi vereinigt und in Sachen Atheismus eine ganz eigene interessante Sichtweise gibt. Die nächsten zwei Wochen seid ihr verschont von meinen Posts da ich in den Ferien bin.

1 Kommentar 21.7.10 17:29, kommentieren

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Schopenhauer - Einleitung in die Philosophie 9

Spinoza lehrt im Ganzen dasselbe wie Bruno; er lebte gleich nach diesem. Ob er ihn gekannt hat, ist ungewiss, doch höchst wahrscheinlich. Was Schopenhauer über Spinoza sagt, ist nicht auf der Höhe seines Wissens. So behauptet er, was nicht stimmt: Er hatte weniger Gelehrsamkeit, besonders weniger antike Literatur inne, als Bruno, was zu bedauern ist, denn er bleibe, was den Vortrag, die Form der Darstellung betrifft, ganz befangen in dem, was die Zeit bot, in den Begriffen der Scholastik, in der Demonstrier-(Beweis-)methode, die er mathematisch [more geometrico: nach geometrischer Manier] nennt, im Gang und in den Beweisen des Cartesius, an dessen Philosophie er die seinige unmittelbar knüpft. Er bewegt sich daher mit grosser Mühe in diesem Apparat von Begriffen und Worten, die gemacht waren, ganz andere Dinge auszudrücken, als er zu sagten hatte, und mit denen er stets kämpfen muss. Bruno hatte auch Kenntnis der Natur, dem Spinoza zu fehlen scheint [oder weniger interessiert]. Bruno stellt alles mit italiänischer Lebhaftigkeit dar, in Dialogen. Spinoza, der Holländer bewegt sich schwer und bedächtig ... [Das sind Stilfragen]

Indessen lehren beide dasselbe, sind von derselben Wahrheit, demselben Geist ergriffen, und es ist nicht zu sagen, welcher tiefer eingedrungen ist, obwohl Spinoza gründlicher, me-thodischer, ausführlicher zu Werk geht. Er lehrt besonders , dass das Eine bestehende Wesen [was missverständlich ist, Spinoza spricht von der einen Substanz] zwei Formen seiner Erscheinung habe, Ausdehnung [res extensa, das ausgedehnte Ding] und Denken [res cogitans, das denkende Ding], worunter er Vorstellen versteht, sah aber nicht ein, dass die Ausdehnung [Raum] selbst zur Vorstellung gehört, daher nicht der Gegensatz sein kann. - Was Schopenhauer über Spinozas Lehre sagt, ist sehr unvollständig. Die beiden cartesianischen Begriffe Ausdehnung [Dinge] und Denken [oft missverständlich als "Geist" bezeichnet] sind die einzigen der unzähligen Attribute der einen Substanz [= Gott = Natur; Spinoza ist Monist i.Gs. zu Descartes]. Dinge und Menschen sind Modi (Mz. von modus = Seinsweisen) der einen Substanz. Spinoza richtig zu verstehen, ist nicht einfach. Mit dem Begriff Pantheismus allein wird man ihm nicht gerecht. Wen Spinozas Lehre interessiert, google mit attribute und modi und man stösst auf einige Aufsätze: Folgenden Artikel (engl.) über Spinoza finde ich am gehaltvollsten:
http://www.friesian.com/spinoza.htm
Mit der Ethik stehe es bei beiden schlecht. Bruno gibt gar keine. … Sonderbar sei das Spinoza sein Hauptwerkt „Ethik“ nennt.

Die Philosophie war seit alters her teils Dogmatismus [Idealismus] teil Skeptizismus [Realismus] gewesen, deren Krieg durch alle Jh. gedauert hat und sich in den mannigfaltigsten Sekten sich dargestellt hat. Bis Kant endlichen diesen Streit auf immer entschieden hat durch die Untersuchung des Subjekts, d.h. der Erkenntniskräfte, um ein für allemal festzusetzen, was sich, auf dem Wege, den man bisher als den allein möglichen angesehen hatte, leisten lassen könne.

Dieser Weg bestand darin, dass man die Aussenwelt, die Objekte, als für sich bestehende schlechthin reale Dinge betrachtete und dennoch nach Grundsätzen, die vor aller Erfahrung gewesen wären, entscheiden wollte, wie ein für allemal solche Dinge beschaffen sein müssten: dies man Ontologie [Lehr vom Sein]. Kant zeigte, dass eben weil man vor aller Erfahrung über ihre Beschaffenheit urteilen [Aussagen machen] könne, sie keine Dinge an sich wären, sondern [nur] Erscheinungen.

Und diese Wahrheit, dass eben weil wir über die Beschaffenheit der die vorhandene Welt ausmachenden Dinge das Allgemeinste durchaus vor aller Erfahrung, d.i. a priori wissen, diese Dinge schlechterdings nur Erscheinungen sind, nicht Dinge an sich, nicht so, wie sie erscheinen, für sich bestehende Wesen, und der hieraus entspringende Unterschied zwischen Erscheinung und Ding an sich: Das ist der Kern der ganzen Kant’schen Philosophie, die Erkenntnis davon ist der Geist derselben. - Nachher folgt ein Lob Kants und seiner Lehre, welcher aber die Vollendung fehle, die er [Schopi] geleistet habe.

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Schopenhauer - Einleitung in die Philosophie 8

Nachdem nun das Licht der wiederauflebenden klassischen Literatur [Renaissance] seine Strahlen in die Nacht der Scholastik warf und ihre Nebel zerstreute, die Geister empfänglich für das Bessere gemacht und zugleich der Kirche einen Stoss versetzt hatte, auf den bald ein viel ernstlicherer folgte: die Reformation:, da traten endlich am Ende des 16. Jh. Männer auf, welche durch Lehre und Beispiele zeigten, dass auf diese Zeit. wo man nur auf die Offenbarung hoffte und gewisse Schriften der Alten, dennoch wieder andere folgen konnten, in denen die Menschheit aus dem Zustand der Unmündigkeit heraustreten und wieder die eigenen Kräfte gebrauchen und auf eigenen Beinen stehen konnte.

Schon Cardanus (Arzt und Humanist) gab ein Beispiel des eigenen Forschens in der Natur und des eigenen Denkens über das Leben. Besonders aber trat Bako von Verulam [Francis Bacon] auf und reformierte den ganzen Geist der Wissenschaften. Statt des Weges, den die ganze Scholastik und z.T. selbst die Alten [Denker des Altertums] gegangen waren, vom Allgemeinen zum Besonderen, vom Abstrakten zum Anschaulichen, welches der Weg des Syllogismus ist, stellt er also den allein rechten, den umgekehrten Weg dar, den vom Besonderen zum Allgemeinen, vom Anschaulichen zum Abstrakten, vom Fall zur Regel, den Weg der INDUKTION, die allein ausgehen kann von der Erfahrung - Er hatte es nicht auf spekulative Philosophie abgesehen, sondern auf empirisches Wissen, besonders auf Naturwissenschaft. Alle die grossen Fortschritte, dieser in den letzten 200 Jahren, vermöge welcher unsre Zeit auf alle früheren wie auf Kinder herabsieht, haben ihren Ursprung und Ausgangspunkt in der Reform Bako’s; diese freilich war durch den Geist der Zeit herbeigeführt. Was Luther in der Kirche, ist Bako bei den Naturwissenschaften. In der Philosophie wurde er, obwohl er selbst nicht spekulierte, noch weniger ein System schuf, Anlass und indirekter Urheber des eigentlichen Empirismus, der sich schon ganz deutlich aussprach in seinem jüngeren Zeitgenossen HOBBES, und endlich ganz vollendet sich hervortat in LOCKE, dessen System eine notwendige Stufe zu sein scheint, auf der der menschliche Geist einmal stehen musste. - In England herrscht Locke eigentlich noch jetzt [z.Zt. Schopis]. Es ist ganz in Bako’s Geist, dass man dort unter natural philosophy Experimental-Physik und unter philosophical transactions die unphilosophischeste aller Sammlungen, nämlich reine Erzählungen sehr schätzbarer Erfahrungen versteht.

Seit dem Anfang des 17. Jh. können wir in Europa zwei verschiedene philosophische Stämme unterscheiden: den englischen und den französisch-deutschen. Obgleich sie aufeinander wechselseitig einwirken, sind sie eigentlich doch getrennt und verschieden und gehen jede für sich. Den englischen bilden, Bacon, Hobbes, Locke, Hume deren Lehren durchaus im Zusammenhang stehen und im selben Geist sind [sie sind alle Atheisten]. Der französisch-deutsche Stamm bilden Cartesius [Descartes], Mallebranche, Leibnitz, Wolf [Kants Vorgänger].

Eigentlich ganz unabhängig von beiden Stämmen, dem Geiste nach, wiewohl unter dem Einfluss ihrer Form, stehen zwei Männer am Ende des 16. und Anfang des 17. Jh., in denen unstreitig viel grösserer philosophischer Tiefsinn, Ernst und Kraft lebte, als in allen jenen: Jordanus Brunus [Giordano Bruno] und Benedictus Spinoza. Sie gehören nicht ihrem Jh., noch ihrem Weltteil an, die dem Einen mit dem Tod [auf dem Scheiterhaufen] und dem Andern mit Verfolgung und Schimpf [Ausschluss aus dem Judentum mit allen seinen Verfluchungen] lohnten, und denen sie immer fremd blieben.

Ihre geistige Heimat war Hindostan [Indien]. dort waren und sind ähnliche Ansichten zu Hause. Man könnte im Scherz sagen, sie waren Bramahnenseelen, in europäische Leiber inkarniert. Sie haben keine Sekte gestiftet und eigentlich nicht auf den Geist ihrer Zeit, noch auf den Gang der Philosophie unmittelbar eingewirkt. Die Zeit war nicht reif für sie: Ihnen sollte erst viel später, im 19. Jh. die gebührenden Ehre zuteil werden. Beide, Bruno und Spinoza, waren erfüllt und durchdrungen von dem Gedanken, dass, so mannigfaltig auch die Erscheinungen der Welt seien, es doch ein Wesen sei, welches in ihnen allen erscheine, welches durch sie allein da wäre, sich ungehindert äussert und ausser welchem es nichts gäbe; daher in ihrer Philosophie Gott als Schöpfer [ausserhalb] keinen Raum findet, sondern die Welt selbst, weil sie durch sich selbst ist, von ihnen Gott genannt wird [Die Welt und alle Wesen sind durch sich selbst]. Bruno unterscheidet sehr deutlich das innere Wesen der Welt (die Weltseele, was aber keine Person ist) und dessen Erscheinung, der den Schatten (ombra) oder das Abbild (simolacro) jenes nennt [BTW: Zum simulacrum von Lukrez bis Derrida Siehe
http://wapedia.mobi/de/Simulakrum ]
Er sagt, das, was die Vielheit der Dinge macht, nicht jenem inneren Wesen der Welt zu-komme, sondern nur dessen Erscheinung, dass jenes innere Wesen in jedem Ding der Natur ganz wäre, denn es sei unteilbar: Endlich, dass im Wesen an sich der Welt Möglichkeit und Wirklichkeit [Akt und Potenz bei Aristoteles] dasselbe seien. - Zu Spinoza später.

1 Kommentar 14.7.10 14:41, kommentieren

Grundansatz Schopenhauer 2

Margot Fleischer gibt im Folgenden eine gute Zusammenfassung des Bisherigen, und schafft das Problem elegant beiseite, dass Raum und Zeit anscheinend objektiv nicht existieren [natürlich existieren sie]:

Schopenhauer übernimmt also aus Kants transzendentaler Ästhetik das Ergebnis, dass Raum und Zeit den Dingen an sich selbst nicht zukommen, sondern nur den Dingen als Erscheinung, den Dingen also, so wie sie sind für uns, in unserem Vor-stellen, unter den Bedingungen unseres Anschauungsvermögens.

Raum und Zeit individuieren aber die Dinge und kommen für die Vielheit auf. Schopi folgert: „Ist aber dem Ding an sich, d.h. dem wahren Wesen der Welt [wie dieses auch sein möge], Zeit und Raum fremd, so ist es notwendig auch die [daraus gefolgerte] Vielheit: folglich kann dasselbe in den zahllosen Erscheinungen der Sinnenwelt durch nur Eines sein, und nur das Eine und identische Wesen sich in diesem allen manifestieren. Und umgekehrt, was sich als ein Vieles, mithin in Zeit und Raum darstellt, kann nicht Ding an sich, sondern nur Erscheinung sein“. Hier lässt sich  - wenngleich für jetzt und nur vorläufig - ein Grundgedanke Schopenhauers fassen. Er spricht von DEM Ding [Einzahl] an sich, das ein Einziges sei [Plotin lässt grüssen]. Er erklärt dies für eine Konsequenz aus Kants Philosophie, die Kant selbst nicht gezogen habe. Das Ding an sich ist Eines; Vielheit in Raum und Zeit gehören ganz in die Sphäre unseres Vorstellens, gibt es nur für unser Vorstellen und in ihm [Damit wird klar, dass Schopenhauer einer der ersten radikalen Konstruktivisten ist].

„Vorstellung“ und „Erscheinung“ bedeutet bei Schopi weniger als bei Kant. - Vorstellung ist bei Schopi nämlich „blosse Vorstellung“, „nur Vorstellung“ und Erscheinung rückt in die Nähe von Schein. Schopi führt die Gedankenlinie weiter: Zuvor hiess es: „was sich als ein Vieles, mithin in Zeit und Raum darstellt [zeigt], kann nicht Ding an sich, sondern nur ERSCHEINUNG sein.“ Schopi nennt dies nun die „Lehre, dass alle Vielheit“ nur scheinbar sein, dass in allen Individuen dieser Welt, in so unendlicher Zahl sie auch, nach und nebeneinander sich darstellen, doch nur Eines und das selbe, in ihnen allen gegenwärtige und identische, wahrhaft seiende Wesen sich manifestiere [nehmen wir als Beispiel den Fussballfan; trotz aller Verschiedenheit ist ein gemeinsamer Kern vorhanden; das ist schon fast platonisch]. Diese Lehre ist freilich lange vor Kant, ja, man möchte sagten, von jeher dagewesen [Hinduismus]. Und zwar im ältesten Buch der Welt, den hl. Veden, deren dogmatischer Teil, oder vielmehr esoterische Lehre, und in den Upanischaden vorliegen. Man sieht, wie selbstverständlich Schopi, nachdem er R+Z als principium individuationis gefasst hat, von Kant her auf die altindische Weisheit zurückgeht. Er setzt dabei für die Erscheinungen einen Akzent, der bei Kant fehlt, wie in der folgenden Äusserung deutlich wird.“Gehört demnach Vielheit und Geschiedenheit [Unterscheidbarkeit] allein der blossen Erscheinung an, und ist es Ein und das selbe Wese, welches in allem Lebenden sich darstellt, so ist diejenige Auffassung, welche den Unterschied zwischen Ich und Nicht-Ich aufhebt, nicht die irrige: vielmehr muss die ihr entgegengesetzte dies [richtig] sein. Auch finden wir diese letztere von den Hindus, mit dem Namen MAYA, d.h. Schein, Täuschung, Gaukelbild bezeichnet.“ Und zwar sind mit Erscheinungen nicht nur die Dinge ausser uns gemeint, sondern auch wir Menschen selbst - als leibliche Wesen, die im Raum und in der Zeit sind, ja als vorstellende Wesen, die ihre eigenen Zuständen in zeitlicher Folge vorstellen. Die „wahre“ Auffassung, dass es ein und dasselbe Wesen ist, welches in allen Erscheinungen sich darstellt, durchschaut gerade auch die Unterschiede der menschlichen Individuen von den Dingen, ja sogar voneinander, als Schein, als Täuschung, als Gaukelbild. An sich ist alles Eins, alle Dinge [v.a. Tiere und Pflanzen] und alle Menschen [Wir sind alle Emanationen des (göttlichen) Einen, Plotin. - Deshalb ist Schopenhauer für das Mitleid mit allen Lebewesen. Er ist für die Achtung von Mensch und Tier].

Trotz dieser alten Erkenntnis halten die Menschen das Viele und die Vielen für das Reale, weshalb Schopenhauer oft vom Schleier der Maya spricht, den es zu zerreissen mindesten zu durchschauen gelte. Für die menschliche Selbsterkenntnis und das menschliche Selbstverständnis bedeutet dies (Zerr. des Schleiers der M.) pointiert: Die Kenntnis, die wir von uns haben, ist keineswegs eine vollständige und erschöpfende, vielmehr sehr oberflächliche, und dem grösseren, ja hauptsächlichen Teil nach sind wir uns selber unbekannt und ein Rätsel; oder, wie KANT sagt: Das ICH erkennt sich nur als Erscheinung, nicht nach dem, was es an sich sein mag [das Ich erkennt sich nicht oder nur bruchstückweise, weil es ein wechselhaftes Konstrukt ist]. Jenem andern Teil nach, der in unsere Erkenntnis fällt, ist zwar jeder vom Andern gänzlich verschieden: aber hieraus folgt noch nicht, dass es sich ebenso verhalte hinsichtlich des grossen und wesentlichen Teiles, der Jedem verdeckt und unbekannt bleibt. Für diesen [unbek. Teil] ist also wenigstens die Möglichkeit übrig, dass er in Allen Eines und identisch sei.“

Später wird sich zeigen, dass Schopi den grossen, wesentlichen, im Sinne strenger Erkenntnis uns unbekannten Teil in uns doch bestimmt, indem er nämlich „das“ Ding an sich denkt und bestimmt. - Damit meint er den in allem und jedem wirkenden blinden Willen, von dem er nur die Erscheinungen beschreiben kann.

 

Mit dem Ausgeführten stiess Margot Fleischer auf wenigen Seiten (S. 59 f.) in den Kern der Schopenhauerschen Philosophie vor.

12.7.10 16:42, kommentieren

Basic Schopenhauer und Kant

Bevor ich mit der "Einleitungsvorlesung" fortfahre:

Grundansatz für Schopenhauer ist die Philosophie von Kant, den er lobt und kritisiert. Er interpretiert Kant auf seine Art und überschreitet ihn auch, wie es Kant wohl nicht gebilligt hätte. So negiert er den kategorischen Imperativ und die Freiheit des Handelns [er negiert bekanntlich die Willensfreiheit].

Schopi: Die Hauptschriften Kants sind ihm die wichtigste Erscheinung, weiche seit Jahrtausenden in der Philosophiegeschichte hervorgetreten sind. Die Wirkung, welche sie in dem Geist, zu welchem sie wirklich reden [wer sie versteht] hervorbringen, finde ich im der Tat der Staroperation an einem Blinden gleich. Und er - Schopenhauer - ist der, der nach gelundender Operation dem Blinden die Starbrille in die Hand gibt.

Also: Ohne Kants „Operation“ [Kritik der reinen Vernunft] wird niemand philosophisch sehend, aber wenn der Operierte nicht Schopenhauers Brille aufsetzt, war die Operation ganz sinnlos. Es gibt nat. Kant-Kenner, die das wohl bestreiten.

Nun, worum ging es Kant? Um die fundamentale Unterscheidung der Dinge an sich selbst von ihren Erscheinungen [auf uns]. Dies sei Kants grösstes Verdienst und seine eigene (Sch's) Philosophie beruhe ganz auf ihr.

Aber wieso war die Unterscheidung für Kant wichtig. Seine Philosophie ist im Wesentlichen Vernunftkritik. Kritik heisst „scheiden“, was unsere erkennende Vernunft vermag, von dem, was sie nicht vermag. Kritik heisst daher, die Grenzen der Vernunft aufzeigen [Ergebnis vorweg: Es gibt keine Erkenntnis jenseits der Erfahrung. Wichtig mit Bezug auf die Rede von Gott (Theologie), was ja Hauptthema dieses Forums ist.]

In der KrV betrachtet Kant die zwei Stämme unseres Erkenntnisvermögens isoliert: Die Sinnlichkeit [Sinneserfahrung] und der Verstand.
Def: Die Sinnlichkeit ist das Vermögen, Vorstellungen zu empfangen, und diese Vorstellungen sind Anschauungen.
Def: Der Verstand ist das Vermögen, Vorstellungen selbsttätig hervorzubringen, und diese Vorstellungen sind Begriffe.
Sinnlichkeit und Verstand - Anschauungen und Begriffe sind nach Kant von gleichem Wert. Denn nur vereinigt geben sie uns Erkenntnis von Gegenständen: Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.

Bei der Betrachtung von Sinnlichkeit und Verstand je für sich, kommt Kant zum revolutionären Ergebnis, dass wir erkennend niemals die Dinge so zu fassen bekommen, wie sie an sich selbst sind, wie sie sind ganz unabhängig von unseren Erkenntnisbedingungen.

Die Wissenschaft von unserer Sinnlichkeit heisst bei Kant „transzendentale Ästhetik“ [diese hat nichts mit dem Schönen zu tun]. Sie untersucht Raum und Zeit. Denn alles, was uns durch die Sinne gegeben wird, ordnen wir in räumliche und zeitliche Verhältnisse, in Verhältnisse des Nebeneinander und des Nacheinander. Bei der kritischen Prüfung der Sinnlichkeit gelangt Kant zur „Idealität“ von Raum und Zeit. Das bedeutet: Raum und Zeit gibt es nur in unserer Vorstellung und durch uns, die vorstellenden Subjekte.
Schopenhauer: Wenn an den Aufschlüssen, welche Kants bewundernswürdiger Tiefsinn der Welt gegeben habt, irgendetwas unbezweifelt wahr ist, so ist es die trans. Aest., also die Lehre von der Idealität des Raumes und der Zeit. Sie ist so klar begründet, unwiderlegbar, Kants Triumph und gehört zu den höchst wenigen metaphysischen Lehren, die man als wirklich bewiesen und als eigtl. Eroberung im Feld der Metaphysik ansehen kann.

Nach ihr also sind Raum und Zeit die Formen unseres eigenen Anschauungsvermögens, gehören diesem, nicht den dadurch erkannten Dingen an, können also nimmermehr eine Bestimmung der Dinge an sich selbst sein, sondern kommen nur der Erscheinung derselben zu. Also Raum und Zeit sind die Grundanschauungsformen. Wir, die Anschauenden bringen sie mit - als die Bedingungen, unter denen allein wir etwas anschauen können. Das heisst nun aber: Raum und Zeit kommen den Dingen selbst, sowie sie sind und unabhängig davon, dass wir sie anschauen, überhaupt nicht zu. Die Dinge an sich selbst stehen nicht in räumlichen oder zeitlichen Verhältnissen. Und deshalb müssen wir von den Dingen an sich selbst unterscheiden die Dinge als Erscheinungen - die Dinge, so wie sie uns erscheinen unter den subjektiven Bedingungen unserer Sinnlichkeit.

Dazu sein angemerkt (Margot Fleischer): Es heisst, Raum und Zeit seien die Bedingungen, unter denen wir Menschen etwas anschauen können, so denkt es Kant - und auch Schopi. Schopi weicht aber darin von Kant auf sehr charakteristische Weise ab, dass er die subjektiven Bedingungen unseres Anschauens als „physiologische Bedingungen“ auffasst und sagt, unser Bewusstsein der Erscheinungen „beruhe auf einer organischen Funktion [was ihn modern macht]. Kant versteht das abstrakt philosophisch, den menschlichen Leib bringt er nicht ein.

Noch ein wichtiger Gedanke (MF): Es ist ein wichtiger, von Schopi immer wieder ausgesprochener Gedanke: das Raum und Zeit die Dinge individuieren. Das ist die alte philosophische Frage: Wodurch gibt es Einzelwesen? [Oder die Frage nach dem Ich: Was macht mich zu dem besonderen Wesen, das ich anscheinend bin?]. Was kommt dafür auf, dass die Dinge nicht nur durch ihre Wesen [ihre Natur] bestimmt sind, sondern dass Dinge mit demselben Wesen als voneinander verschiedene und getrennte existieren? Das kann man fragen z.B. bei Steinen, Hunden oder Häusern.

Da Schopi, wie sich zeigen wird, Platons Ideen (in verwandelter Form) übernimmt, besteht diese Frage auch für ihn; und er beantwortet sie eben, indem er Raum und Zeit als principium individuationis auffasst. Den lat. Ausdruck kann man übersetzen mit: Prinzip/Grund/Anfangsgrund der Vereinzelung, oder erweitert: der Einzelwesen. Leisten Raum und Zeit Vereinzelung? Das ist unbestreitbar. Denn: Was „hier und jetzt“ [hic et nunc] ist, ist dadurch von allem anderen, dass sonst noch in Raum und Zeit gegeben sein kann, unterschieden. Jetzt seiend, und nicht damals oder künftig.
Andersherum kann man sagen, dass das principium individuationis für Vielheit aufkommt - jedenfalls von Dingen [oder Wesen] derselben Art. ... Es gibt noch einen wichtigen 2. Teil dieser Betrachtung.

Nach Margot Fleischer: Schopenhauer (Herder/Spektrum/Meisterdenker), S. 55-59

9.7.10 14:54, kommentieren

Schopenhauer-Einleitung in die Philosophie 7

Fahre fort mit Schopenhauers Einleitunsvorlesung:

Zur Situation der Scholastiker bringt er ein Gleichnis: Man denke sich einen lebhaften Menschen von Kindheit auf in einem Turm gefangen, ohne Beschäftigung und Gesellschaft. Er wird aus den wenigen Gegenständen, die ihn umgeben, sich eine Welt konstruieren und sie mit allerlei Phantasien bevölkern. So die Scholastiker, in ihren Klöstern eingesperrt, ohne deutliche Kunde von der Welt, von der Natur, vom Altertum, von der Geschichte: Allein mit ihrem Glauben und ihrem Aristoteles konstruierten sie eine christlich-aristotelische Metaphysik. Ihr einziges Bauzeug waren höchst abstrakte Begriffe, die weit von aller möglichen Anschaulichkeit lagen: ens [Wesen], substantia, forma, materia, essentia [Wesen; Natur], forma substantialis [Stoffform] und forma accidentalis [nebensächliche Form]; causa formalis [Formursache], causa efficiens [Wirkursache], causa finalis [Zweckursache]; haeceitas [Diesheit], quiditas [Washeit, Wesen], qualitas, quantitas und so fort.

Dagegen an [nat.wiss.] Realkenntnis fehlte es ganz: der Kirchenglaube vertrat die Stelle der wirklichen Welt, der Erfahrungswelt. Uns so, wie die Alten und heute wir über diese wirkliche, in der Erfahrung daliegende Welt philosophieren, so philosophierten die Scholastiker über den Kirchenglauben: den erklärten sie; nicht die Welt. Wie sehr ihnen die Kunde von dieser abging, sprich sich höchst naiv darin aus, dass sie alle ihre Beispiele von hyperphysischen [übernatürlichen] Dingen nehmen: z.B. so. sit aliqua substantia , e.c. Deus, Angelus [Ist Gott oder Engel von irgend-einer Substanz, wenn ich richtig übersetze] Ich gebe als anderes Beispiel die Frage von Thomas von Aquin: Wieviele Engel haben auf einer Nadelspitze Platz?

Am Leitfaden der unverstandenen und in ihrer gänzlichen Verstümmelung unverständlichen Aristotelischen Metaphysik wurde nun aus solchen abstrakten Begriffen und ihre Entwicklung eine Philosophie gemacht, die aber in allen Stücken mit dem bestehenden und wunderlich zusammegekommenen Kirchenglauben harmonieren musste. Der rege, tätige Geist, bei unausgefüllter Musse, nahm vor, was er allein hatte: jene Abstrakta, ordnete, spaltete, vereinigte Begriff, war sie hin und her und entfaltete selbst bei diesem unfruchtbaren Geschäft oft bewundernswürdige Kräfte, Scharfsinn, Kombinationsgabe, Gründlichkeit, die eines besseren Stoffes würdig gewesen wäre. Selbst manche wahre und vortreffliche Gedanken, auch in Hinsicht auf den menschlichen Geist lehrreiche Untersuchungen sind in den Scholastikern anzutreffen: aber der Zeitverlust bei den weitläufigen Schriften jeder müssigen Denker ist so gross, dass man sich höchst selten an sie wagt. Beispiel von mir (aus wiki):

Ockhams Rasiermesser ist ein Sparsamkeitsprinzip aus der Wissenschaftstheorie. In seiner bekanntesten Formulierung von Johannes Clauberg lautet es: „Entitäten dürfen nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden." Steht man vor der Wahl mehrerer Erklärungen, die sich alle auf dasselbe Phänomen beziehen, soll man diejenige bevorzugen, die mit den einfachsten bzw. der geringsten Anzahl an Annahmen auskommt. Es enthält ebenso die Forderung, für jeden Untersuchungsgegenstand nur eine einzige Erklärung anzuerkennen.

1 Kommentar 2.7.10 14:33, kommentieren

Schopenhauer-Einleitung in die Philosophie 6

Fahre fort mit Schopenhauers Vorlesung (ca. eine A4 Seite): 

Von den übrigen Sekten, die aus Sokrates' Schule entsprangen zu reden, würde zu weit führen. Schopenhauer erwähnt die Akademiker (Platon), Peripatetiker (Aristoteles), Megariker (Euklid von Megara), Hedoniker (Geniesser, Epikur?), Cyniker (Diogenes), Stoiker, Skeptiker.

Nach diesen, von Sokrates ausgegangen Philosophen finden sich keine originellen, ursprünglichen Denker mehr: An den von ihnen ausgegangenen Lehren, Ansichten, Methoden musste die ganze Nachwelt fast zwei Jahrtausende hindurch zehren; nach Abirrungen immer wieder auf dieselben Wege zurückkommen, in der Römerwelt das von jenen Griechen gelernte mannigfaltig hin- und herwenden, annehmen und darüber streiten, so dass wir die grössten Männer des röm. Reiches sich Peripatetiker, Stoiker .... Epikuräer nennen sehen: Mark Aurel, Cicero, Seneca, Lukrez [Bspe. von mir]. Das gleiche wiederholte sich dann in der Renaissance. Dort nannten sich manche sogar Pythagoreer oder Eleaten.

Dann musst die Lehre Platons zu Alexandrien als Neuplatonismus ein wunderliches Gemisch religiöser Dogmen und platonischer Lehren hervorbringen [Plotin]. Dann gab später Platon den Kirchenvätern Nahrung, die von ihm nahmen, was ihnen passte, z.B. die Ideenlehre.

Sodann kam die lange Nacht des Mittelalters, in der kein andres Licht leuchtete als ein schwacher Wiederschein von dem des Aristoteles bis im 14./15. Jh. die Wiederherstellung der Wissenschaften eintrat im Laufe der Renaissance [Ich habe hier ziemlich verkürzt].

Mit dem Eintritt des Christentums musste, wie die Weltgeschichte, so auch die Philosophie eine ganz andere Gestalt annehmen, letztere eine sehr traurige, da ein staatlich gestütztes Dogma das Feld einnahm, auf welchem die Philosophie sich allein bewegte. Alles freie Forschen (Denken) musste notwendig aufhören. Die Kirchenväter benutzten inzwischen aus der Philosophie der Alten, was eben zu ihren Glaubens-Lehren brauchbar war und passte: Das Übrige verdammten sie und sahen mit Abscheu auf das "blinde Heidentum".

Im eigentlichen Mittelalter, wo die Kirche ihren höchsten Gipfel [an Einfluss] erreichte, sank die Philosophie am tiefsten, wurde ein Zerrbild ihrer selbst, zum Gespenst, das bloss Form ohne Substanz war, wurde zur Scholastik. Diese gab nie vor, etwas anderes (sein) zu wollen, als die Dienerin, Magd (ancilla theologiae) der Theologie. Die leiseste Abweichung (eines Gelehrten) vom Kirchenglauben galt als todeswürdiges Verbrechen. Das Kirchendogma war so stark, dass es die Fähigkeit des Denken lähmte und Jeder, selbst der Gelehrte, die hyperphysischen Dinge, die der Glaube lehrte, für wenigstens so real hielt, als die Aussenwelt, die er sah, und wirklich nie dahin kam, nur zu merken, dass die Welt ein ungelöstes Rätsel ist [S. Welträtsel von Ernst Haeckel], sondern die früh aufgedrungenen Dogmen galten ihm wie faktische Wahrheit, an der zu zweifeln Wahnsinn wäre. So konnte, vor dem lauten von allen Seiten tönenden Ruf des Glaubens, gar Keiner nur zu so viel Besinnung kommen, dass er sich einmal ernstlich und ehrlich fragte: wer bin ich? was ist diese Welt? die auf mich gekommen ist, wie ein Traum, dessen Anfang ich mir nicht bewusst bin. - Wie soll aber, wer noch nicht einmal das Rätsel vernehmen kann, die Lösung finden?

An Nachforschungen der Natur war auch nicht zu denken: dergleichen brachte in den Verdacht der Zauberei. Die Geschichte schwieg: die Alten [antiken Philosophen] waren meist unzugänglich; ihr Studium brachte Gefahr. Aristoteles, in ganz schlechten und verdrehten saracenischen [aus dem arabischen ins Latein] Übersetzungen wurde gelesen und als übermenschlich verehrt, eben weil man ihn gar nicht verstand. Und doch lebten auch damals, eben unter den Scholastikern Leute von Geist und grosser Denkkraft. ...Schopi erwähnt nur den Spätscholastiker Suarez. [Der bedeutendste Scholastiker ist Thomas von Aquin (auch wenn er z.T. Mist erzählte); er ist bis heute DER Philosoph der kath. Kirche. Originelle scholastische Denker sind Wilhelm von Ockham und Joh. Duns Scotus.]

1 Kommentar 1.7.10 16:28, kommentieren

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