basic philosophy nach Schopenhauer

Schopenhauer-Einleitung in die Philosophie 5

Gerade die Ideenlehre des Platon blieb zu allen Zeiten bis auf den heutigen Tag ein Gegenstand des Nachdenkens, des Forschens, Zweifelns, der Verehrung, des Spottes, so vieler und so verschieden gesinnter Köpfe im Lauf der Jhdte.: ein Beweis, das sie wichtigen Inhalt und zugleich grosse Dunkelheit hatte. - Da Schopi Platon lobt habe ich mir das TB "Platon" von Michael Bordt am Bahnhof gekauft.

Die Ideenlehre ist die Hauptsache in der ganzen platonischen Philosophie [werde sie vlt. kurz behandeln]. Schopenhauer meint, dass der eigentliche Sinn der Ideenlehre [die man verschieden interpretieren kann] ganz übereinstimmt mit der Hauptlehre Kants, der Lehre von der Idealität des Raumes und der Zeit [den beiden Grundanschauungsformen des Menschen, die im Subjekt liegen]. Allein, bei aller Identität des Inhalts dieser beiden grossen Hauptlehren der der zwei grössten Philosophen [Platon und Kant], die es wahrscheinlich je gegeben hat, ist der Gedankengang, der Vortrag, die individuelle Sinnesart beider so grundverschieden, dass vor mir [Sch.] Niemand die Identität des innern [verborgenen] Sinns beider Lehren eingesehen hat. Vielmehr suchte man auf ganz anderen Wegen Beziehungen, Einheitspunkte zwischen zwischen Platon und Kant, hielt sich aber an die Worte, statt in den Sinn und Geist zu dringen. Die Erkenntnis dieser Identität ist von grösster Wichtigkeit ..., so dass die Philosophie des einen der beste Kommentar zur Philosophie des andern ist. Den Gegensatz aber, der sich so entschieden und deutlich zwischen Platon und Aristoteles aussprach, sehen wir nachher im düsteren Mittelalter wieder auftreten, im sonderbaren Streit zwischen Realisten und Nominalisten. [Dabei sind die Realisten eben nicht Realisten im heutigen Sinn, weil sie abstrakte Begriffe oder Gattungsbegriffe für selbständige "geistige" Dinge (lat. res) ansehen, im Gegensatz zu den Nominalisten, welche die Begriffe nur als Namen, Bezeichnungen für etwas ansehen. Der ganze Streit hat natürlich mit Glaubensdingen zu tun (Näheres S. wikipedia). Hier zeigt sich wieder der Gegensatz zwischen Realismus und Idelismus (thread-thema).

In den Dialogen des Platon, wo er in der Person des Sokrates spricht, will er zu keinem entschiedenen Resultat leiten, sondern nachdem er die Probleme lange hin und her gewendet, von allen Seiten betrachtet, alle Data zu ihrer Auflösung vorgeführt hat, will er die Auflösung, die Entscheidung dem Leser überlassen. Bei Platon könne man das Philosophieren lernen, sagt Schopi. Platon ist die wahre Schule, an ihm entwickeln sich philosophische Kräfte, wo sie vorhanden sind, am allerbesten. Daher hat jeder gewesene und und wird jeder künftige Philosoph dem Platon unendlich viel zu danken haben: Seine Schriften sind die wahre Denkschule, jede philosophische Saite des Gemüts wird angeregt und doch nicht durch aufgedrungene Dogmen wieder in Ruhestand versetzt, sondern ihr Tätigkeit und Freiheit gegeben und gelassen. Wer daher von Ihnen philosophische Neigung in sich spürt, der lese anhaltend den Platon: er wird nicht etwa gleich aus ihm ganz fertige Weisheiten zum Aufspeichern nach Hause tragen, aber er wird denken lernen und zugleich disputieren lernen: Dialektik. Er wird die Nachwirkung eines aufmerksamen Studiums des Platon in seinem ganzen Geiste spüren.

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Schopenhauer-Einleitung in die Philosophie 4

Fahre fort mit Schopenhauers Einleitungsvorlesung, wobei ich viel Ballast weggelassen habe:

Ebenfalls aus der pythagoraischen ist die eleatische Schule entsprossen, gestiftet von Xenophanes in Elea (Ort in Unteritalien). Die Schule der Eleaten anerkennt nur das ruhende Sein als existent, berücksichtigt sehr das Subjektive, streitet subtil über die Vernunft und die Sinne als Quelle wahrer Erkenntnis, ist aber ganz für die Vernunft. Daher geht sie von Begriffen aus und leitet aus diesen Dinge ab, die der Erfahrung geradezu widerstreiten, z.B. die Unmöglichkeit der Bewegung, bleibt demnach der abstrakten Erkenntnis, dem noumenon treu, im Gegensatz zur Sinnenerkenntnis, dem phainomenon. Hauptvertreter der Eleaten ist Parmenides.
....
Die Eleaten wirkten wieder auf den Sokrates, in welchem sich also die beiden Zweige der alten Philosophie, der ionische und der italische, vereinigen und beitragen, den wunderbaren Mann zu bilden, von dem nachher die mannigfaltigsten Sekten [Philosophenschulen] ausgehen PLATON mit der ganzen Akademie, mittelbar durch diesen ARISTOTELES [sein bedeutendster Schüler und Abweichler, um es mal so zu sagen].

Möge Ihnen je die Musse werden, sich mit dem, was von diesen Denkern der Vorzeit übrig ist, bekannt zu machen [S. Vorsokratiker]: Es ist ein sehr schönes Studium, ao. einflussreich auf die ächte Bildung des Geistes, da man in den Systemen der alten Philosophie gewissermassen lauter natürliche Entwickelungen des menschlichen Denkens findet, einstige Richtungen, die einmal konsequent durchgeführt werden mussten, damit man sähe, was dabei herauskäme.

Auf dem theoret. Weg aber treten zwei gewaltige Geister einander gegenüber: die man als Repräsentanten zweier grosser und durchgreifender entgegengesetzter Geistesrichtungen im Spekulativen ansehen muss: Platon und Aristoteles. Was den Gegensatz am Schärfsten bezeichnet, ist Folgendes: Aristoteles geht der Erkenntnis einzig am Leitfaden des Satzes vom Grund nach [also eigentlich ganz im Sinne Schopenhauers]. Platon hingegen verlässt diese, um die ganz Entgegengesetzte der IDEE [= Spekulation] zu ergreifen.

Verständlich wird es Ihnen sein, wenn ich Ihnen sage: Platon folgt mehr der Erkenntnisweise, aus welcher die Werke der schönen Künste jeder Art hervorgehen: Aristoteles [der Arztsohn war] hingegen war der eigentliche Vater der Wissenschaften. Er stellte sie auf, sonderte ihre Gebiete und wies jeder ihren Weg. In den meisten Wissenschaften ist Aristoteles heute total überholt (ja z.T. lächerlich), hingegen die LOGIK [Lehre von der Richtigkeit von Aussagen] brachte schon Aristoteles zu solcher Vollendung, dass seitdem im Wesentlichen derselben keine grossen Verbesserungen zu machen waren. Aristoteles liebt das Scharfe, Bestimmte, Subtile [Stoff und Form etc.], und hielt sich soviel wie möglich im Feld der Erfahrung. Platon hingegen, der eigentlich in die Natur viel tiefer eindrang [wie Schopenhauer meint], konnte grade in den Hauptsachen keinen scientistischen, sondern nur einen metaphysischen Vortrag seiner Gedanken finden. Grade dieser Vortrag aber scheint dem Aristoteles unzugänglich gewesen zu sein. Bei aller Schärfe ging ihm die [spekulative] Tiefe ab, und es ist verdriesslich zu sehen, wie er das Hauptdogma seines grossen Lehrers, die IDEENLEHRE, mit trivialen Gründen angreift und eben zeigt, dass er den Sinn davon nicht fassen konnte.

[Ich verstehe nicht, wieso Schopi Platon über den grünen Klee lobt. Aristoteles war viele Jahre Platons Schüler und blöd war er auch nicht, viel eher auf dem Boden der Realität. Es hat was mit den schönen Künsten zu tun und der Idealität von Zeit und Raum, was Kant vetritt. Ich denke, dort liegt für Schopi die Rettung der Ideenlehre.]

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Die condition humaine

Die Condition humaine

"La condition humaine" ist in Roman von André Malraux. Fast jeder Roman handelt von der condition humaine.

Es ist wichtig, diesen vielsagenden Begriff genau zu verstehen und zu begreifen. Condition humaine steht für die das menschliche DASEIN charakteristischen Dinge: Geburt und Tod, Ich-Bewusstsein [Selbst], Kampf, Liebe und Hass, Angst und Wahn; Hoffnung, Verzweiflung. Auch Religion gehört dazu. Das und noch anderes sind die Existenziale nach Heidegger.

Das hatte ich auf der Site eines Theologen gefunden. Mich haben die Ausführungen dieses Theologen, "der es wissen muss", beeindruckt, die ich mit Anmerkungen und Erweiterungen versehe.

Condition humaine - der gebräuchliche französische Begriff ist kurz und elegant - bedeutet kurz gefasst: «Menschliches Dasein - zur Freiheit berufen, zum Sterben bestimmt".

Zur condition humaine gehört natürlich auch das Negative und Schlechte, Krankheit und Tod; was ich als Hinfälligkeit des Menschen bezeichnen möchte. Zur condition humaine gehört für mich ebenfalls die so genannte "Sündhaftigkeit" des Menschen, d.h. was die christliche Dogmatik als solche bezeichnet. Darunter verstehe ich die moralische Hinfälligkeit des Menschen, d.h. die Möglichkeit zum Bösen und Schlechten. Dabei macht der Mensch oft einen gedanklichen Fehler: Geht es ihm schlecht, ist er z.B. arbeitslos, krank oder depressiv, sucht er die Schuld bei sich. Das ist das tief verwurzelten Ursache-Denken. Er denkt, es geht ihm schlecht, weil er im Grunde schlecht ist.
Es gibt aber keine "Erbsünde", welche durch den Glauben an einen Erlöser geheilt werden könnte, weil es keine metaphysische Verworfenheit des Menschen gibt, sondern das in den Bereich der condition humaine gehört. Die Lehre, die als Trost gemeint ist, erweist sich als Placebo.

Wörtlich heisst Condition (lat., franz., englisch) Bedingung im Sinne von conditio sine qua non (notwendige Bedingung oder Voraussetzung für etwas). Die Condiction humaine ist aber etwas anderes. Damit sind zunächst Verhältnisse, Umstände oder eben Lebensbedingungen gemeint.

Weiter bedeutet Condition humaine wie der Name sagt: Voraussetzungen, Bedingungen menschlicher Existenz; Lebensbedingungen; soziale Verhältnisse, Umstände menschlichen Lebens; Stellung, Situation, Rolle des Menschen, Verfassung und Konditionierung des Menschlichen.

Diese Beschreibungen betreffen mehrheitlich die äusseren Umstände des Menschen. Diese bedingen natürlich auch die inneren Umstände, seine Persönlichkeit, sein Selbst, seine Gestimmtheit, sein "Glaube" etc. Wir sind das Produkt aller Einflüsse von der Geburt bis heute, bis zum Jetzt. Deshalb haben wir eigentlich keine Willensfreiheit. Wir sind z.B. nicht frei, an Jesus (oder Mohammed) zu glauben oder nicht.

Nun zu Kernaussage zur condition humaine:
Jeder Mensch ist ein geschichtliches Wesen, an einem Punkt der Evolution aufgetaucht, den er nicht gewählt hat, (organisch) gebaut als ein Individuum von einzigartiger genetischer Konstitution. Und er stirbt nach einem Leben von begrenzter Dauer.

Hier meine Anmerkungen:
- Geschichtlich: kommt von geschehen, dazu gehört wesentlich die ZEIT, die unwiederbringlich verstreicht, in der das Leben verläuft.

- Evolution: Ist diese immer noch im Gang? Oder wirkt sich diese in einem Menschenalter noch aus. Es gibt auch eine „geistige" (kulturelle) Evolution individuell und kollektiv.

- Auftauchen (Emergenz): Wir werden ins Sein (Leben) geworfen, ohne gefragt zu werden.

- Individuum: Wir sind durch unsere Eltern (genetisch) aber auch durch die Umwelt (Ort; Kultur) als auch den Zeitpunkt einzigartig. Letztlich machen Zeit und Ort die Einzigartigkeit des menschlichen Seins aus.

- Begrenztes Leben: Der Tod ist unvermeidlich und nachher ist Schluss, alles andere ist Wunschdenken und ein falscher Trost, wenn man ehrlich zu sich selber ist. Der Tod gehört wesentlich zur menschlichen Existenz oder eben zur condition humaine.

Die Wurzel des religiösen Gefühls steckt meines Erachtens nicht in "Gott", was nur eine Chiffre ist für den Anfang oder das Absolute, dem man z.B. auch Alpha sagen könnte, nicht in der Offenbarung, sie steckt in seiner dramatisch-tragischen, auf ein Unbedingtes bezogene EXISTENZ.

- Religiöses Gefühl: Ich möchte dieses nicht als religiös bezeichnen, sondern als existenzialistisch. Dafür ist weder ein Gott noch eine Offenbarung (Gottes) notwendig.

- Die Existenz sei auf etwas Unbedingtes bezogen. Letztlich unbedingt und notwendig ist einzig der TOD. Das ist sich der Mensch meistens nicht bewusst. Das tiefsinnige Gerede vom Unbedingten oder Absoluten ist meist leer, wie Schopenhauer richtig bemerkt hat.

Konservative Theologie nennt dieses Unbedingte „Gott" und fragt: Was hat Gott offenbart? Was steht in der Heiligen Schrift? Aber man kann anders herum fragen: Wie sind Menschen dazu gekommen, ihre "Heiligen Schriften" für offenbart (oder vom Himmel herunter gekommen, Koran) zu halten. Offenbart, aber wie? [und was?] Von aussen, durch göttliche Inspiration (Träume, Hallunzinattionen)? Oder von innen durch Einsicht?

Was steht in der Bibel? Menschliches und Allzumenschliches; vieles, was die condition humaine betrifft.

Diese Frage zeigt das Skandalon auf. Wie um Himmels willen kommen Menschen dazu, eine „Heiligen Schrift" (also irgendwelche Geschichten, Mythen) als angebliche göttliche Wahrheiten zu halten und zu verkündigen? Da kann man immer wieder nur staunen und sich wundern. Daraus resultieren dann die Fragen. Die Theologie fragt übrigens nicht, sondern behauptet etwas aus einem angeblichen, angemassten Wissen heraus.

Ich habe immer Mühe, wenn an einem Punkt eines Diskurses (fortschreitende Abhandlung) GOTT wie ein Kaninchen aus dem Zylinder gezaubert und dieser uns als besondere Erkenntnis dargeboten wird, deren Wert bei genauerer Betrachtung gleich Null ist. Das gibt nur ein Gefühl von Bedeutsamkeit, das sich als schal herausstellt. im Endergebnis ist es eine Gedankenkonstruktion, ein Wunschgebilde, ein dem Menschen ähnliches personales überirdisches Wesen.

Konservative (christliche) Theologen fragen nicht, was glauben Muslime, Juden (diesen verdanken wir das Alte Testament), Buddhisten (diese brauchen keinen Gott als Hilfskonstrukt!), Hindus, sondern stellen ihren Glauben als überlegen dar. Die so genannten Dogmatiker bemühen sich um den "rechten" Glauben.

Modernes Wissen über die Natur uns inbesondere die Natur des Menschen spielt eine zentrale Rolle. Die religiösen Vordenker, die Weisen, die Propheten, die Schriftgelehrten, sogar die Dogmatiker der Vergangenheit konnten sehr Vieles nicht wissen und verstehen, was wir heute wissen, z.B. in der Mikrobiologie, Evolution, Psychologie etc.
- Das ist auch der Grund, weshalb man im Gegensatz zu früheren Zeiten Menschen heute, auch wenn er noch so eine bescheidene Bildung hat, unbedarfte Geschichten nicht mehr erzählen kann.

Die religiösen Lehrer, die Mystiker, die Propheten und die Philosophen konnten sich zu ihrer Zeit nicht auf soviel Wissen abstützen, wie wir heute. Zu wesentlichen höheren Einsichtigen gelangten einige von ihnen trotzdem, was eine grosse Leistung ist. Das Wissen dieser Denker ist heute noch bedeutsam, vielleicht nicht in allen Teilen. Ein Epikur hatte nicht die heutigen Kenntnisse der Welt und doch sind seine Anschauungen erstaunlich vernünftig und zeitgemäss.

1 Kommentar 25.6.10 11:04, kommentieren

Zeit und Raum

Was ist die Zeit? Das ist gar nicht leicht zu beantworten. Eigentlich existiert nur die Gegenwart, ein Ausschnitt davon, wie ein Fenster, an dem ein Bildstreifen vorbeigezogen wird. Diese Fenster kann verschieden breit sein, eine Sekunde, Stunde oder Tag etc. Die Gegenwart wird durch die Vergangenheit determiniert und bestimmt ihrerseits wieder die Zukunft.
Konstitutiv für die Zeit ist die Bewegung (Ortsveränderung) eines Objektes im Raum. Was sind Objekte? Das sind ausgedehnte Dinge (Descartes) verschiedener Dichte, welche Raum einnehmen; letztlich sind es Atome. "Es gibt nur die Atome und den (leeren) Raum" (Epikur). Der Raum ist eigentlich nie ganz leer (horror vacui). Irgendwelche Gasmoleküle oder Lichtwellen (im Weltraum) gibt es immer.
Die Zeit wird seit alters her bestimmt durch die Bewegung der Himmelskörper, Erdumlauf etc.
Gibt es ohne Objekte den Raum oder ist der leere Raum ein Nichts? Ich denke, der Raum ist nicht Nichts, sondern eben der Raum. Um ihn uns vorstellen zu können, braucht es Objekte. Es gibt nie kein Objekt, denn unseren Leib sehen wir selber als ein Objekt (Schopenhauer). Wir können uns einen Nichtraum gar nicht vorstellen, denn hinter jeder gedachten Begrenzung eines Raumes folgt notwendig wieder ein Raum. Der Ort der Objekte im Raum ist relativ in Bezug auf andere Objekte, meist nehmen wir unseren Körper als Referenz.

Nach Kant gehören Zeit und Raum zu den Grundanschauungsformen, welche im Subjekt liegen, was nicht heisst, dass sie objektiv nicht existieren, obwohl sich Kant manchmal in diesem Sinn äussert. Bezüglich der Zeit könnte ich es noch eher verstehen. Die Zeit ist der innere Sinn, es geht um das Vorher oder Nachher oder die Gleichzeitigkeit von Erscheinungen, was auch relativ ist. Ob die Zeit einen absoluten Nullpunkt (beim Urknall) hat, d.h. ob es die absolute Zeite gibt, ist für uns eigentlich nicht relevant. Ohne Gedächtnis gibt es keine Vergangenheit und keine Zukunft (für uns). Das hat schon Augustinus aufgezeigt.
Der Raum oder die Raumvorstellung ist der äusseren Sinn.

Wegen der Idealität des Raumes und der Zeit nach Kant - Schopenhauer sieht sich als Schüler und "Verbesserer" Kants - lobt Schopenhauer Platon und seine Ideenlehre. Da sehe ich seinen Anknüpfungspunkt.

1 Kommentar 22.6.10 12:19, kommentieren

Schopenhauer als Konstruktivist

Schopenhauer als Konstruktivist

Was folgt ist schon fast "die Welt als Wille und Vorstellung" in nuce

Wenn man in einem Haus zu tun hat, pflegt man einen Blick auf die Fassade zu werfen, bevor man hineingeht. Wir haben es mit dem INTELLEKT von innen zu tun, d.h. vom Bewusstsein ausgehend. Von aussen gesehen, ist er ein Gegenstand / Produkt der Natur, des Tieres und v.a. des Menschen. So ganz empirisch, ohne vorgefasste Meinung in betrachtend, müssen wir ihn eine Funktion des menschlichen Lebens nennen, und zwar wie alle anderen Lebensfunktionen an einen besonderen Körper-Teil gebunden, an das Gehirn.

Wie der Magen verdaut, die leber Galle, die Nieren Urin, die Hoden Samen absondern, so stellt das Gehirn vor, sondert Vorstellungen ab. Das ist ausschliesslich die Funktion des Grosshirns, während das Kleinhirn die Bewegungen lenkt [Schopenhauer war sehr an den neuesten Forschungsergebnisse interessiert und wusst gut über die Naturwissenschaften Bescheid. Er wäre begeistert von der heutigen Hirnforschung].

Also der ganze Intellekt, alles Vorstellen, Denkeninst eine physiologischen Funktion des grossen Gehirns, der vorderen Hemisphäre, der lobi etc.

Aber diese Funktion hat etwas Eigenes was sie gar höher stellt, alss die Absonderung der Galle etc. nämlich dieses [das sie die ganze Welt konstruiert, Seneca]

die ganze Welt beruht auf ihr, liegt in ihr, ist durch sie bedingt. Denn diese existiert [für uns] nur als unsere Vorstellung, und ist folglich von dieser abhängig und ist ohne sie nicht mehr. - Vlt. scheint Ihnen das paradox, und es ist wohl noch Einer und der Andere, der ganz ehrlich meint: wenn auch der Brei aus dem Hirnkasten geschlagen würde, so blieben darum Himmel und Erde, Sonne, Sonne, Mond und Sterne, Pflanzen und Elemente doch stehen. - Wirklich? - Besehen Sie doch die Sache etwas aus der Nähe. Stellen Sie sich eine solche Welt ohne erkennendes Wesen einmal anschaulich vor: - da steht die Sonne, die Erde rotiert umd sie herum, Tag und Nacht, die Jahreszeiten wechseln, das Meer schlägt Wellen, die Pflanzen vegetieren: - aber alles, was Sie jetzt sich vorstellen, ist bloss ein [inneres] Auge, das Das Alles sieht, ein Intellekt, der es perzipiert [wahrnimmt]: also eben das ex hypothesi Aufgehobene. Sie kennen ja keinen Hinnle und Erde und Mond und Sonne so schlechtin [ohne Erfahrung], an und für sich; sondern, Sie kennen bloss ein Vorstellen, in welcher das alles vorkommt und auftritt, nichts anderes, wie Ihre Träume des Nachts auftreten, welche Traumwelt das Erwachen Morgens vernichtet: Nicht anders wäre offenbar diese diese ganze Welt vernichtet, wenn der Intellekt aufgehoben, oder, wie eben gesagt, der Brei aus dem Hirnkasten geschlagen wäre. Ich bitte, nicht zu meinen, das sie Spass: es ist Ernst. Die Konsequenzen, welche daraus für die Metaphysik fliessen gehen uns hier nichts an. Wir betrachten es hier bloss, um auf die grosse Wichtigkeit, die hohe Dignität [Würde] des Intellekts [erkennende Vernunft] aufmerksam zu werden ....[1/2]

- Schopenhauer ist offensichtlich der erste Konstruktivist nach Kant. Quelle:

Schopenhauer: 

"Theorie des gesammten Vorstellens und Erkennens Exordium [Einleitung] zur Dianiologie [Denklehre]"

[vgl. dianoia = Denkkraft, Vernunft]

19.6.10 17:18, kommentieren

Exkurs: Über die Seele

Bevor ich anhand Schopenhauers Vorlesung weiter gehe zu Platon und Aristoteles, hier ein Exkurs über die Seele und ihre angebliche Unsterblicheit. Wie schon gezeigt, ist der Seelen-Begriff äusserst vielfältig.

Ursprünglich bedeutet Seele bzw. lat. anima, gr. psyche, frz. âme, span./port. alma nichts anderes als feiner Hauch oder Lebens-Atem. Seele wird gleichgesetzt mit Leben. Das ist auch so in der Genesis:

1. Mose 2,7: Und Gott der HERR machte den Menschen aus einem Erdenkloß, uns blies ihm ein den lebendigen Odem [Lebensatem] in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele.

Nach dem Alten Testament war die Seele keineswegs unsterblich, was erstaunen mag. Die Unsterblichkeit ist eine spätere Erfindung. Die Bibel = hl. Schrift = Gottes Wort ist angeblich widerspruchsfrei. Und das Neue Testament bezieht sich gerne auf das Alte. Die wichtigste Belegstelle ist im Prediger Salomo:

Prediger 3,19: Denn es geht dem Menschen wie dem Vieh: wie dies stirbt, so stirbt er auch, und haben alle einerlei Odem [gleiche Seele], und der Mensch hat nichts mehr als das Vieh; denn es ist alles eitel.

Nach Aristoteles hat der Mensch keine unsterbliche Individual-Seele. Die Seele ist nach ihm das formgebende Prinzip eines organischen, lebenden Körper (im Denken von Aristoles sind Form und Substanz wichtig). Er sieht die Seele dreistufig. Es gibt eine vegetative (Pflanzen) Seele, eine animalische (Tier) Seele und eine Menschenseele. Die Menschen haben alle drei in sich. Das erscheint mir einleuchtend.

Nun ist Aristoteles bekanntlich DER Philosoph des Mittelalters, der von Christen und Muslimen gleichermassen intensiv studiert wurde. Als DER grosse Aristoteles Kommentator galt der Araber Ibn Ruschd oder Ibn Roshd, genannt Averroes. Er nahm mit Aristoteles richtigerweise an, dass die Seele nicht unsterblich sei.

Nun ist es Thomas von Aquin mit einer komplizierten Argumentation gelungen, Averroes zu "widerlegen", Siehe das Bild "Triumph des Thomas v.A. über Averroes" (bei wikipedia). Hier ist der lesenswerte Kommentar zum Bild http://www.gutefrage.net/frage/kann-mir-...on-aquin-deuten

Zurück zu Averroes: Siger von Brabant (S. wiki) schloss sich seiner Aristoteles-Auslegung an und vertrat mehrere aus kirchlicher Sicht problematischsten Lehrmeinungen, so besonders die Einheit eines überindividuellen, in allen Menschen sich auswirkenden Intellekts ["Geist", Vernunft, logos] mit daraus folgender Sterblichkeit der individuellen Seele, die Ewigkeit statt Geschaffenheit der Welt und die Determiniertheit [Ursächlichkeit, Notwendigkeit, Satz von Grund] der Natur und Unmöglichkeit übernatürlicher Wunderereignisse. Dabei trug er solche Lehrmeinungen zwar als rational zwingende Schlussfolgerungen der via philosophica [Weg der Philosophie] vor, hielt sich aber stets bedeckt durch die Erklärung, dass er nur philosophische Mittel anzuwenden und die Intentionen von Aristoteles [richtig] auszulegen habe, den widersprechenden Offenbarungswahrheiten des Glaubens hingegen nichtsdestoweniger prinzipiell der Vorrang zu geben sei. - Dies, weil bekanntlich die Philosophie die Dienerin der Theologie war, und man höllisch aufpassen musste, was man sagte.

Trotz seiner Konzession wurde Siger von der Kirche verurteilt und später ermordet. Und Averroes musst in die Verbannung gehen. Sein Lehrmeinung werden von orthodoxen islam. Gelehrten bis heute abgelehnt.

Nachtrag - Das nach Aristoteles die Seele nichts vom lebenden Körper Abzutrennendes ist, sieht man im folgenden Artikel "Das Geist-Seele-Trilemma:

Alexander von Aphrodisias - Averroes - Thomas von Aquin", wo die mod. Philosophen sich zu A.'s Seelenlehre äussern http://archiv.sicetnon.org/artikel/historie/trilemma.htm

1 Kommentar 19.6.10 16:40, kommentieren

Schopenhauer-Einleitung in die Philosophie 3

Fortsetzung Einleitung in die Philosophie von Schopenhauer, aus dem Nachlass:

Zum Seelenbegriff - Es ist viel von Seele die Rede in diesem Forum, aber kaum eine Begriffsbestimmung. Da meine Gedanken interessieren, habe ich viel Kommentar beigefügt.

Aus der Pythagorischen Schule ist in Sizilien (im Altertum Magna Graecia) später Empedokles hervorgegangen, der in dann in den Vulkan fiel. Nur die Sandale blieb angeblich übrig:-). Wir wissen allgemein nur wenig, nur soviel:

Der pythag. Ursprung gibt sich kund aus der Lehre der Seelenwanderung und an dem in allen Dingen lebenden nämlichen Wesen [?], wie auch am Verbot tierischer Nahrung.

Auch hat er deutlich das Emanationssystem gelehrt [wie Plotin], einen sündlichen Abfall aus einem besseren Dasein ins gegenwärtige, aus welchem nach überstandener Strafe und Läuterung die Seele zum besseren Dasein zurückkehrt.

Seneca: Das ist der Kern vieler esoterischer Lehren und Sekten bis heute. Das Dasein ist durch die Sünde [Selbstverschulden] der Menschen anstrengend und elendig, und am Ende wartet der Tod, der nicht als natürlich akzeptiert wird. Man nimmt an, dass ursprünglich ein paradiesischer Zustand, ein goldene Zeitalter war. Nach Plotin ist nur schon die Materie ein unreiner Ausfluss aus dem Hen (das Eine). Durch die "richtige" Lehre, die nur Eingeweihten verschiedener Grade offen steht, und die richtige Lebensführung (Askese/Vegetarismus) kann man sich quasi selber erlösen.

Den Empedokles sehen wir schon nicht bloss auf dem objektiven Weg philosophieren, wie die früheren Natur-Philosophen, sondern auch den subjektiven betreten und Untersuchungen über den Ursprung der (richtigen) Erkenntnis anstellen, die sinnliche von der vernünftigen (Denken) unterscheiden und fragen, welcher zu trauen ist? Dann entscheiden: der vernünftigen, nicht den Sinnen. Vlt. war Anaxagoras vor ihm und die phainomenai den noumenoi (Begriffe) entgegen setzte. Seneca: hier haben wir den Gegensatz zwischen Realismus und Idealismus bzw. Rationalismus.

Diese Unterscheidung brachte Empedokles dahin, eine sinnliche Seele (anima sensitiva) und eine vernünftige Seele (anima rationalis od animus bei den Römern) im Menschen anzunehmen. Letztere sei Teil der ewigen Weltseele, welche auch logos bezeichnet wird, während die anima sensitiva Teil der Materie sei (und damit niedriger, muss man ergänzen). Hier sehen wir die Enstehung eines zweifachen Dualismus, den zwischen Materie und Seele/Vernunft/Geist. Letztere kann kollektiv (Geist, Vernunft) als auch individuell (Verstand), sterblich oder unsterblich (Seele) sein. Nach Hegel soll in der Geschichte der Weltgeist wirken. Dieser hinausgesetzte Geist (S. logos, das "Wort" im Johannesevang. wird dann auch als "Gott" (Ursprung) bezeichnet. Diese Vorstellungen sind immer nur abgespaltene Teile unserer Person ist (Feuerbach).

Habe diese Seelengeschichte gegenüber Schopenhauer ausgeweitet. Beim Begriff Seele / Geist herrscht viel Unklarheit, und die Diskutanten sind sich der Probleme nicht bewusst.

Jene zwei Seelen (anima sensitiva bzw. rationalis) und diesen Dualismus finden wir noch beim Cartesius (Descartes), bei dem die vernünftige Seele, die aus lauter abstrakten Gedanken [das wären die noumenoi] und überlegten Beschlüssen [die Vernunft] besteht, Geist und unsterblich ist, hingegen das anschauende und empfindende (sensitive) Wesen, Materie, Maschine (Lamettrie), wozu er (Descartes) auch die Tiere (als Automaten) rechnet - Tiere haben angeblich keine unsterbliche Seele, was sie nach herkömmlichem Dogma von den Menschen unterscheidet. Sie können ja auch nicht so böse sein wie diese, dass sie auf ewig bestraft werden sollten. Es scheint, dass diese Unterscheidung zweier Seelen und jener Dualismus seit dem Empedokles bis auf den Cartesius nie ganz ausser Kredit gekommen ist, sondern erst seit Kant (weshalb könnte ich jetzt nicht sagen).

Seneca: Die Dreiteilung Körper, Geist, Seele geistert noch heute in den Menschen herum, wobei sowohl der Geist, als auch die Seele z.T. als unsterblich angesehen werden, d.h. die Begriffe werden vermischt.

Mächte noch erwähnen, dass Aristoteles, obwohl er vom Islam (insb. Ibn Ruschd) als auch von der Scholastik (Thomas v.A.), als DER Philosoph vereinnahmt wurde, nicht eine unsterblich Individualseele annahm. Bei ihm ist nur die anima rationalis (der Funke der göttliche Vernunft) unsterblich, welche sich nach dem Tod ununterscheidbar wieder mit der alles umfassenden Weltvernunft (logos) vereinigt. Das könnte ich sogar bejahen.

1 Kommentar 19.6.10 16:38, kommentieren

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