basic philosophy nach Schopenhauer

Schopenhauer-Einleitung in die Philosophie 2

chopenhauers Vorlesung* (Einleitung in die Philosophie) Fortsetzung:

Wir wissen zwar vom Leben des Sokrates ziemlich viel, von seinen Meinungen und Lehren aber äusserst wenig. Er war aber von seinen Zeigenossen hoch angesehen. Verschiedene Philosophenschulen anerkannten ihn als ihren vortrefflichen Lehrer. Xenophon schildert ihn so platt, wie er nicht gewesen sein kann. Platon schildert ihn zu phantastisch und braucht nur ihn nur als seine Maske [in den Dialogen], unter welcher er selbst lehrte. Es scheint so viel gewiss, dass Sokrates' Philosophie eine blosse Ethik gewesen ist.

Gleichzeitig mit Thales lehrte ein höchstwahrscheinlich viel bedeutenderer Mann: Pythagoras. Er ist 30 Jahre herumgewandert, vermutlich bis nach Indien. Er steht auf einem viel höheren Standpunkt als Thales, er ist nicht wie dieser fast nur hypothesierender Physiker und Astronom, sondern Philosoph im ganzen und grossen Sinn dieses Worts, das bekanntlich von ihm stammt. Seine Philosophie war eigentlich Metaphysik mit Ethik verbunden, und sein Wissen umfasste dabei eine ziemlich vollkommene Mathematik und Real-Erkenntnis [Naturw.] der damaligen Zeit. Er scheint die Vielseitigkeit und den Forschungstrieb des Aristoteles mit der Tiefe des Platon besessen zu haben.

Ewig beklagenswert ist es, dass zwei so grosse Männer, Pythagoras und Sokrates nie geschrieben haben. Pythagoras hat seine esoterischen Lehren wie eine Mysterium nur für Eingeweihte verschwiegen gehalten. Öffentlich hielt er Vorträge für das Volk. ...

Seine Lehre erlosch mit seinen nächsten Schülern, von denen nicht wenige mit seinen nächsten Schlülern, von denen wenige zuletzt, als die Sekte** völlig zerstreut und verfolgt war, einiges zugeschrieben haben sollen. Von solchen Bruchstücken sind einzelne bis auf uns gekommen, besonders durch die Neuplatoniker Porphyrios, Plotinos, Plutarch, Aristoteles .... Aber alles höchst unzusammenhängend und von unverbürgter Echtheit.

....

Schopenhauer vermutet, dass die Philosophie Pythagoras indischen Ursprungs sei. Aus den Text-Bruchstücken erhellt soviel fast unwidersprechlich, dass Pythagoras Lehre im Wesentlichen die in Hindostan [Indien] entstanden und dort noch vorhanden ist. Denn wir finden als Lehre bei ihm das in Europa bis dahin ganz fremde Dogma der Metempsychose [Seelenwanderung], und in Folge desselben das Gebot der Enthaltung von tierischer Nahrung [Vegetarismus].

Was Pythagoras symbolisch durch Zahlen gelehrt, wie er die Musik, die zuerst von ihm in eine arithmetische Grundlage erhielt, damit in Verbindung gebracht wurde, - das liegt alles im Dunkeln. ...

Von seiner Metaphysik scheint soviel gewiss, dass auch seine Lehre, wie die aller allten Philosophen Dem beizuzählen sei, wa man Pantheismus nennt, d.h. dass er eine Weltseele [atman], ein in allen Wesen der Welt sich äusserndes Prinzip annahm, welches er theos [Gott] genannt haben soll, jedoch sich ausdrücklich dagegen verwahrt hat, dass dieser theos etwas ausserhalb der Welt sei, vielmehr sei das innere Lebensprinzip der Welt gemeint.

*) Die Ausführungen sind ziemlich verkürzt. Maches vom Geplauder Schopenhauers ist weggelassen. Demächst kommt der Ursprung des duale Seelenbegriffs.

**) Pythagoras war auch geschätzt bei den Römern und in der Renaissance und manche heutige esoterische Lehre mag auf ihn zurückgehen.

1 Kommentar 19.6.10 16:37, kommentieren

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Schopenhauer-Einleitung in die Philosophie 1

Darum ist die Geschichte der Philosophie [von denen die wenigsten in diesem Forum eine Ahnung haben], die beste Einleitung zu dem, was ich [Schopenhauer] vorzutragen habe:

Ohne dieselbe wird schon der Anfang unseres Ganges, nämlich das Anheben von der Betrachtung des Subjekts, unsres Selbst, unsres Erkenntnisvermögens Manchem befremdend sein und seiner Neigung widerstreiten. Den im Geist des Einzelnen ist die Anlage und der Hang, denselben Gang zu gehen, den die Erkenntnis des ganzen Menschengeschlechts gegangen ist. [Die These ist also, dass der Mensch, wie in der persönlichen Entwicklung die Entwicklung der Philosophie vollzieht, vollziehen muss.]

Dieser Gang fängt an mit dem Nachdenken über die Aussenwelt, aber er endigt mit dem Nachdenken über sich selbst. Man fängt damit an, über das Objekt, über die Dinge der Welt bestimmte Aussprüche zu tun, wie sie an sich sind und sein müssen: dieses Verfahren heisst DOGMATISMUS. Dann er-heben sich Zweifler, Leugner, dass es so sei, wie man sage; Leugner, dass man irgendetwas davon wissen könne: das ist der SKEPTIZISMUS.

Die meiste Auseinandersetzung in diesem Forum ist zwischen Dogmatikern und Skeptikern.

Spät erschien, nämlich mit KANT, der KRITIZISMUS, der als Richter beide [Richtungen] anhört, beide vermittelt, ihre Ansprüche abwägt, durch eine Untersuchung nicht der Dinge, sondern des ERKENNTNISVERMÖGENS überhaupt, und demgemäss angibt, inwiefern sich von den Dingen, wie sie an sich sind [bzw. an sich sein mögen], etwas wissen lasse und welche Schranke hier das Erkennen als solches, seine ihm wesentliche Form setze.

Schopenhauer, Vorlesungen: Einleitung in die Philosophie

aus einem alten kleinen gebunden Reclam-Büchlein ohne Jahreszahl in goth. Schrift

Wer findet den Originaltext dieser wertvollen Vorlesung im Internet?

Die mehrere Seiten umfassende Vorrede weshalb die Pilosophiegeschichte sinnvoll und nötig ist, erspare ich mir. Schopenhauer betont in seiner Vorlesung „Einleitung in die Philosophie" mehrmals, dass beim Studium der Details immer die Gesamtheit im Auge zu halten ist und umgekehrt. Das hilft das andere besser zu verstehen.

Habe den Volltext dieser Einleitung noch nicht im Internet gefunden, weshalb das hier exklusiv ist. Fahre gleich weiter:

Die Philosophie beginnt bekanntlich mit der ionischen Naturphilosophie:

Der Mensch bemerkt zuerst alles nur sich selbst, nicht, sich übersah er, und seine ganze Aufmerksamkeit haftete an den Dingen ausser ihm: sich sah er nur als kleines Glied in der Kette dieser, nicht als eine Hauptbedingung des Daseins der Aussenwelt, wie er es doch ist.

Demnach suchten die ion. Ph. nicht sowohl die Natur überhaupt ihrem Dasein nach, als die bestimmte gegebene Natur ihrer Beschaffenheit nach zu erklären: Sie suchten daher einen Grundstoff [das arché], der vor allen Dingen gewesen und durch dessen Verängerungen Alles geworden wäre. Sonach war die erste Philosophie eigentlich Naturwissenschaft.

Thales, der Anherr aller occidentalischen [westlichen] Ph. nimmt das Wasser für jenen Ur-grundstoff, aus dem sich alles entwickelt. FN: Dies Ph. fragten also nicht nach dem Entste-hen der Natur (Materie), sondern bloss wie eine so und so beschaffene Natur, entstehen konnte. - Siehe auch, die Genesis, wonach die Materie als Chaos vorhanden bevor der „Schöpfer" eingriff.

Von Thales' Schüler Anaximander wissen wir noch weniger: er nennt als den Ursprung das apeiron (infinitum; diese lat. Übersetzung "das Unendliche" erscheint mir falsch) womit er vlt. nur die Materie als solche, ohne irgeneinde Form und Qualität versteht.

Anaximenes nimmt die Luft als das erste an, un das ist vlt. sehr richtig, da die neueste Astronomie es wahrscheinlich macht, dass jeder Weltkörper in einem dunstförmigen Aggregatszustand, als ein Nebelstern zuerst existierte [ wie Jupiter, Neptun, Uranus], dann in den flüssigen, zuletzt in den festen Zustand überging.[Zu erwähnen ist noch Heraklit, für den das arché das Feuer war, S.]

Diese ion. Philosophen betrachteten jedoch die Materie, von der sie ausgingen nicht als ein Totes (wie später Demokrit tat - der mit der Atomlehre) sondern erkanntendiese Kräfte als von der Materie verschieden, als etwas „Geistiges", redeten daher von der Seele der Welt. Diese Ansicht trat überwiegend hervor im Anaxagoras, der die ion. Ph. nach Athen brachte. . Die innewohnende Seele der Welt, der „Geist", der in allem wirkt, der nous (gr), ist ihm der erste Ursprung der Dinge, das Schaffende Prinzip, daher auch Anaxagoras als erster Theist angesehen wird [und schon sind wir beim Thema Religion]. Der Beiname "nous" mag ein Spottname gewesen sein, weil er in der Philosophie, die damals Physik war, ein ganz hypothetisches, nicht nachweisbares Prinzip brachte. Mit seinem Schüler Archelaos sehen wir aber den Philosophie den Weg der Naturbetrachtung plötzlich verlassen, welches allein von der Individualität des Sokrates herrührt, dein eine einseitige Neigung für ethische Betrachtungen hatte, die freilich an sich ein viel interessanterer und würdigerer Gegenstand der Betrachtung sind, als die blindwirkenden Kräfte der Natur. Allein die Philosophie ist ein Ganzes, wie das Universum ein Ganzes ist, und so wenig man das Objekt ganz verstehen und ergründen wird, wenn man das Subjekt überspringt, wie die Ionier taten, so wenig wird man das Subjekt, des Menschen Wollen und das Erkennen, welches das Wollen leitet, ganz und gar verstehen, wenn man das Objekt, das Ganze der Welt und ihr inneres Wesen ganz ausser Acht gelassen hat.

Wer sich mehr dafür interessiert lese:

Carl-Friedrich Geyer: Die Vorsokratiker - Eine Einführung (Panorama TB) 

 

 

1 Kommentar 19.6.10 16:34, kommentieren

Basic philosophy: Idealismus und Realismus

Es wird oft über Gott etc. diskutiert. Die grundlegenden philosophischen Fragen, die dem voraus gehen, werden überhaupt nicht beleuchtet. Hier mal ein Anstoss:

Schopenhauer: Lehre vom Idealen und Realen
Descartes gilt mit Recht als Vater der neuen Philosophie, zunächst und im Allgemeinen weil er die Vernunft angeleitet hat, auf eigenen Beinen zu stehen, indem er die Menschen lehrte, ihren eigenen Kopf zu gebrauchen [selber zu denken und zu hinterfragen], für welche bis dahin die Bibel [Glaubenswahrheit] einerseits und der Aristoteteles [Wissenschaft; was man damals dafür hielt] andererseits funktionierten, im besondern aber und engeren Sinn, weil er zuerst sich das Problem zum Bewusstsein gebracht hat, um welches seitdem alles Philosophieren sich hauptsächlich dreht:
das Problem vom Idealen und Realen, d.h. die Frage, was in unserer Erkenntnis objektiv und was darin subjektiv sei, also was darin etwa von uns verschiedenen Dingen , und was uns selber zuzuschreiben sei. - In unserem Kopf nämlich entstehen, nich auf inneren. - etas von der Willkür oder dem Gedankenzusammenhang ausgehenden, - folglich auf äusseren Anlass, BILDER. Diese Bilder allein sind das uns unmittelbar Bekannte, das Gegebene. Welches Verhältnis mögen sie haben zu Dingen, die völlig gesondert und unabhängig von uns existieren und irgenwie ursache dieser Bilder würden? Haben wir Gewissheit, dass überhaupt solche Dinge nur da sind? Und geben in diesem Fall die Bilder uns auch über deren Beschaffenheit Aufschluss? - Dies ist das Problem und in folge desselben ist, seit 200 [350] Jahren das Hauptbestreben der Philosophie, das Ideale , d.h. Das, was unserer Erkenntnis allein und als solcher angehört, von dem Realen, d.h. dem unabhängig von uns Vorhandenen, rein zu sondern durch einen in der rechten Linie wohlgeführten Schnitt, umd so ist das Verhältnis Beider festzustellen.


So wie ich es verstehe, meint Idealismus zunächst nicht etwas Höherwertiges oder Erstrebenswertes sondern verweist auf das Denken, was wir den Dingen hinzutun, wenn wir Ideen entwickeln, weshalb statt von Idealismus auch von Rationalismus gesprochen wird. Die Frage lautet, was ist Erkenntnis und wie ist solche möglich. Das sollten sich mal die Leute überlegen, die ständig die Rede von "Gott" im Munde führen, ohne zu wissen, wovon sie überhaupt sprechen. Sie haben höchstens eine vage Ahnung von irgendwelchen Geschichten und Legenden.


Siehe Folgendes (aus wikipedia)

Skandal der Philosophie Frage nach dem Beweis der Realität
In der Kritik der reinen Vernunft schreibt Kant: "so bleibt es immer ein Skandal der Philosophie und allgemeinen Menschenvernunft, das Dasein außer uns ... bloß auf Glauben annehmen zu müssen und, wenn es jemandem einfällt es zu bezweifeln, ihm keinen genugthuenden Beweis entgegenstellen zu können".

Martin Heidegger hat 1927 in Sein und Zeit erwidert: "Der 'Skandal der Philosophie' besteht nicht darin, dass dieser Beweis bislang noch aussteht, sondern darin, dass solche Beweise immer wieder erwartet und versucht werden", denn zu "beweisen ist nicht, dass und wie eine 'Außenwelt' vorhanden ist, sondern aufzuweisen ist, warum das Dasein [der Menschen] als In-der-Welt-sein die Tendenz hat, die 'Außenwelt' zunächst 'erkenntnistheoretisch' in Nichtigkeit zu begraben, um sie dann erst zu beweisen"

Skandal der Philosophie nennt man die Tatsache, dass die Philosophen - trotz jahrtausendelanger Bemühungen - bisher keine Erkenntnis erarbeitet haben, die von allen Philosophen als evident anerkannt wird. Karl Jaspers wendet dazu ein[1]: „Was aus zwingenden Gründen von jedermann anerkannt wird, das ist damit eine wissenschaftliche Erkenntnis geworden, ist nicht mehr Philosophie, sondern bezieht sich auf ein besonderes Gebiet des Erkennens“. Immanuel Kant bezeichnet als Skandal der Philosophie - im Hinblick auf George Berkeley -, dass man für die Realität der Dinge eines Beweises bedürfe.
Der Ausdruck „Skandal der Philosophie“ wird allgemein nur von Positivisten und philosophischen Laien verwendet, weil sie nämlich die Bedeutung neuer Fragenstellungen und Gesichtspunkte gar nicht erkennen. Ironisch ausgelegt ist es für Heinrich Heine ein Hinweis auf einen Skandal der Philosophie, wenn er die Philosophie als den „Missbrauch der Terminologie“ betrachtet, „die zu diesem Zweck eigens erfunden wird“.

19.6.10 15:38, kommentieren

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