basic philosophy nach Schopenhauer

Schopenhauer-Einleitung in die Philosophie 7

Fahre fort mit Schopenhauers Einleitunsvorlesung:

Zur Situation der Scholastiker bringt er ein Gleichnis: Man denke sich einen lebhaften Menschen von Kindheit auf in einem Turm gefangen, ohne Beschäftigung und Gesellschaft. Er wird aus den wenigen Gegenständen, die ihn umgeben, sich eine Welt konstruieren und sie mit allerlei Phantasien bevölkern. So die Scholastiker, in ihren Klöstern eingesperrt, ohne deutliche Kunde von der Welt, von der Natur, vom Altertum, von der Geschichte: Allein mit ihrem Glauben und ihrem Aristoteles konstruierten sie eine christlich-aristotelische Metaphysik. Ihr einziges Bauzeug waren höchst abstrakte Begriffe, die weit von aller möglichen Anschaulichkeit lagen: ens [Wesen], substantia, forma, materia, essentia [Wesen; Natur], forma substantialis [Stoffform] und forma accidentalis [nebensächliche Form]; causa formalis [Formursache], causa efficiens [Wirkursache], causa finalis [Zweckursache]; haeceitas [Diesheit], quiditas [Washeit, Wesen], qualitas, quantitas und so fort.

Dagegen an [nat.wiss.] Realkenntnis fehlte es ganz: der Kirchenglaube vertrat die Stelle der wirklichen Welt, der Erfahrungswelt. Uns so, wie die Alten und heute wir über diese wirkliche, in der Erfahrung daliegende Welt philosophieren, so philosophierten die Scholastiker über den Kirchenglauben: den erklärten sie; nicht die Welt. Wie sehr ihnen die Kunde von dieser abging, sprich sich höchst naiv darin aus, dass sie alle ihre Beispiele von hyperphysischen [übernatürlichen] Dingen nehmen: z.B. so. sit aliqua substantia , e.c. Deus, Angelus [Ist Gott oder Engel von irgend-einer Substanz, wenn ich richtig übersetze] Ich gebe als anderes Beispiel die Frage von Thomas von Aquin: Wieviele Engel haben auf einer Nadelspitze Platz?

Am Leitfaden der unverstandenen und in ihrer gänzlichen Verstümmelung unverständlichen Aristotelischen Metaphysik wurde nun aus solchen abstrakten Begriffen und ihre Entwicklung eine Philosophie gemacht, die aber in allen Stücken mit dem bestehenden und wunderlich zusammegekommenen Kirchenglauben harmonieren musste. Der rege, tätige Geist, bei unausgefüllter Musse, nahm vor, was er allein hatte: jene Abstrakta, ordnete, spaltete, vereinigte Begriff, war sie hin und her und entfaltete selbst bei diesem unfruchtbaren Geschäft oft bewundernswürdige Kräfte, Scharfsinn, Kombinationsgabe, Gründlichkeit, die eines besseren Stoffes würdig gewesen wäre. Selbst manche wahre und vortreffliche Gedanken, auch in Hinsicht auf den menschlichen Geist lehrreiche Untersuchungen sind in den Scholastikern anzutreffen: aber der Zeitverlust bei den weitläufigen Schriften jeder müssigen Denker ist so gross, dass man sich höchst selten an sie wagt. Beispiel von mir (aus wiki):

Ockhams Rasiermesser ist ein Sparsamkeitsprinzip aus der Wissenschaftstheorie. In seiner bekanntesten Formulierung von Johannes Clauberg lautet es: „Entitäten dürfen nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden." Steht man vor der Wahl mehrerer Erklärungen, die sich alle auf dasselbe Phänomen beziehen, soll man diejenige bevorzugen, die mit den einfachsten bzw. der geringsten Anzahl an Annahmen auskommt. Es enthält ebenso die Forderung, für jeden Untersuchungsgegenstand nur eine einzige Erklärung anzuerkennen.

2.7.10 14:33

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