basic philosophy nach Schopenhauer

Schopenhauer - Einleitung in die Philosophie 8

Nachdem nun das Licht der wiederauflebenden klassischen Literatur [Renaissance] seine Strahlen in die Nacht der Scholastik warf und ihre Nebel zerstreute, die Geister empfänglich für das Bessere gemacht und zugleich der Kirche einen Stoss versetzt hatte, auf den bald ein viel ernstlicherer folgte: die Reformation:, da traten endlich am Ende des 16. Jh. Männer auf, welche durch Lehre und Beispiele zeigten, dass auf diese Zeit. wo man nur auf die Offenbarung hoffte und gewisse Schriften der Alten, dennoch wieder andere folgen konnten, in denen die Menschheit aus dem Zustand der Unmündigkeit heraustreten und wieder die eigenen Kräfte gebrauchen und auf eigenen Beinen stehen konnte.

Schon Cardanus (Arzt und Humanist) gab ein Beispiel des eigenen Forschens in der Natur und des eigenen Denkens über das Leben. Besonders aber trat Bako von Verulam [Francis Bacon] auf und reformierte den ganzen Geist der Wissenschaften. Statt des Weges, den die ganze Scholastik und z.T. selbst die Alten [Denker des Altertums] gegangen waren, vom Allgemeinen zum Besonderen, vom Abstrakten zum Anschaulichen, welches der Weg des Syllogismus ist, stellt er also den allein rechten, den umgekehrten Weg dar, den vom Besonderen zum Allgemeinen, vom Anschaulichen zum Abstrakten, vom Fall zur Regel, den Weg der INDUKTION, die allein ausgehen kann von der Erfahrung - Er hatte es nicht auf spekulative Philosophie abgesehen, sondern auf empirisches Wissen, besonders auf Naturwissenschaft. Alle die grossen Fortschritte, dieser in den letzten 200 Jahren, vermöge welcher unsre Zeit auf alle früheren wie auf Kinder herabsieht, haben ihren Ursprung und Ausgangspunkt in der Reform Bako’s; diese freilich war durch den Geist der Zeit herbeigeführt. Was Luther in der Kirche, ist Bako bei den Naturwissenschaften. In der Philosophie wurde er, obwohl er selbst nicht spekulierte, noch weniger ein System schuf, Anlass und indirekter Urheber des eigentlichen Empirismus, der sich schon ganz deutlich aussprach in seinem jüngeren Zeitgenossen HOBBES, und endlich ganz vollendet sich hervortat in LOCKE, dessen System eine notwendige Stufe zu sein scheint, auf der der menschliche Geist einmal stehen musste. - In England herrscht Locke eigentlich noch jetzt [z.Zt. Schopis]. Es ist ganz in Bako’s Geist, dass man dort unter natural philosophy Experimental-Physik und unter philosophical transactions die unphilosophischeste aller Sammlungen, nämlich reine Erzählungen sehr schätzbarer Erfahrungen versteht.

Seit dem Anfang des 17. Jh. können wir in Europa zwei verschiedene philosophische Stämme unterscheiden: den englischen und den französisch-deutschen. Obgleich sie aufeinander wechselseitig einwirken, sind sie eigentlich doch getrennt und verschieden und gehen jede für sich. Den englischen bilden, Bacon, Hobbes, Locke, Hume deren Lehren durchaus im Zusammenhang stehen und im selben Geist sind [sie sind alle Atheisten]. Der französisch-deutsche Stamm bilden Cartesius [Descartes], Mallebranche, Leibnitz, Wolf [Kants Vorgänger].

Eigentlich ganz unabhängig von beiden Stämmen, dem Geiste nach, wiewohl unter dem Einfluss ihrer Form, stehen zwei Männer am Ende des 16. und Anfang des 17. Jh., in denen unstreitig viel grösserer philosophischer Tiefsinn, Ernst und Kraft lebte, als in allen jenen: Jordanus Brunus [Giordano Bruno] und Benedictus Spinoza. Sie gehören nicht ihrem Jh., noch ihrem Weltteil an, die dem Einen mit dem Tod [auf dem Scheiterhaufen] und dem Andern mit Verfolgung und Schimpf [Ausschluss aus dem Judentum mit allen seinen Verfluchungen] lohnten, und denen sie immer fremd blieben.

Ihre geistige Heimat war Hindostan [Indien]. dort waren und sind ähnliche Ansichten zu Hause. Man könnte im Scherz sagen, sie waren Bramahnenseelen, in europäische Leiber inkarniert. Sie haben keine Sekte gestiftet und eigentlich nicht auf den Geist ihrer Zeit, noch auf den Gang der Philosophie unmittelbar eingewirkt. Die Zeit war nicht reif für sie: Ihnen sollte erst viel später, im 19. Jh. die gebührenden Ehre zuteil werden. Beide, Bruno und Spinoza, waren erfüllt und durchdrungen von dem Gedanken, dass, so mannigfaltig auch die Erscheinungen der Welt seien, es doch ein Wesen sei, welches in ihnen allen erscheine, welches durch sie allein da wäre, sich ungehindert äussert und ausser welchem es nichts gäbe; daher in ihrer Philosophie Gott als Schöpfer [ausserhalb] keinen Raum findet, sondern die Welt selbst, weil sie durch sich selbst ist, von ihnen Gott genannt wird [Die Welt und alle Wesen sind durch sich selbst]. Bruno unterscheidet sehr deutlich das innere Wesen der Welt (die Weltseele, was aber keine Person ist) und dessen Erscheinung, der den Schatten (ombra) oder das Abbild (simolacro) jenes nennt [BTW: Zum simulacrum von Lukrez bis Derrida Siehe
http://wapedia.mobi/de/Simulakrum ]
Er sagt, das, was die Vielheit der Dinge macht, nicht jenem inneren Wesen der Welt zu-komme, sondern nur dessen Erscheinung, dass jenes innere Wesen in jedem Ding der Natur ganz wäre, denn es sei unteilbar: Endlich, dass im Wesen an sich der Welt Möglichkeit und Wirklichkeit [Akt und Potenz bei Aristoteles] dasselbe seien. - Zu Spinoza später.

14.7.10 14:41

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