basic philosophy nach Schopenhauer

Schopenhauer - Einleitung in die Philosophie 9

Spinoza lehrt im Ganzen dasselbe wie Bruno; er lebte gleich nach diesem. Ob er ihn gekannt hat, ist ungewiss, doch höchst wahrscheinlich. Was Schopenhauer über Spinoza sagt, ist nicht auf der Höhe seines Wissens. So behauptet er, was nicht stimmt: Er hatte weniger Gelehrsamkeit, besonders weniger antike Literatur inne, als Bruno, was zu bedauern ist, denn er bleibe, was den Vortrag, die Form der Darstellung betrifft, ganz befangen in dem, was die Zeit bot, in den Begriffen der Scholastik, in der Demonstrier-(Beweis-)methode, die er mathematisch [more geometrico: nach geometrischer Manier] nennt, im Gang und in den Beweisen des Cartesius, an dessen Philosophie er die seinige unmittelbar knüpft. Er bewegt sich daher mit grosser Mühe in diesem Apparat von Begriffen und Worten, die gemacht waren, ganz andere Dinge auszudrücken, als er zu sagten hatte, und mit denen er stets kämpfen muss. Bruno hatte auch Kenntnis der Natur, dem Spinoza zu fehlen scheint [oder weniger interessiert]. Bruno stellt alles mit italiänischer Lebhaftigkeit dar, in Dialogen. Spinoza, der Holländer bewegt sich schwer und bedächtig ... [Das sind Stilfragen]

Indessen lehren beide dasselbe, sind von derselben Wahrheit, demselben Geist ergriffen, und es ist nicht zu sagen, welcher tiefer eingedrungen ist, obwohl Spinoza gründlicher, me-thodischer, ausführlicher zu Werk geht. Er lehrt besonders , dass das Eine bestehende Wesen [was missverständlich ist, Spinoza spricht von der einen Substanz] zwei Formen seiner Erscheinung habe, Ausdehnung [res extensa, das ausgedehnte Ding] und Denken [res cogitans, das denkende Ding], worunter er Vorstellen versteht, sah aber nicht ein, dass die Ausdehnung [Raum] selbst zur Vorstellung gehört, daher nicht der Gegensatz sein kann. - Was Schopenhauer über Spinozas Lehre sagt, ist sehr unvollständig. Die beiden cartesianischen Begriffe Ausdehnung [Dinge] und Denken [oft missverständlich als "Geist" bezeichnet] sind die einzigen der unzähligen Attribute der einen Substanz [= Gott = Natur; Spinoza ist Monist i.Gs. zu Descartes]. Dinge und Menschen sind Modi (Mz. von modus = Seinsweisen) der einen Substanz. Spinoza richtig zu verstehen, ist nicht einfach. Mit dem Begriff Pantheismus allein wird man ihm nicht gerecht. Wen Spinozas Lehre interessiert, google mit attribute und modi und man stösst auf einige Aufsätze: Folgenden Artikel (engl.) über Spinoza finde ich am gehaltvollsten:
http://www.friesian.com/spinoza.htm
Mit der Ethik stehe es bei beiden schlecht. Bruno gibt gar keine. … Sonderbar sei das Spinoza sein Hauptwerkt „Ethik“ nennt.

Die Philosophie war seit alters her teils Dogmatismus [Idealismus] teil Skeptizismus [Realismus] gewesen, deren Krieg durch alle Jh. gedauert hat und sich in den mannigfaltigsten Sekten sich dargestellt hat. Bis Kant endlichen diesen Streit auf immer entschieden hat durch die Untersuchung des Subjekts, d.h. der Erkenntniskräfte, um ein für allemal festzusetzen, was sich, auf dem Wege, den man bisher als den allein möglichen angesehen hatte, leisten lassen könne.

Dieser Weg bestand darin, dass man die Aussenwelt, die Objekte, als für sich bestehende schlechthin reale Dinge betrachtete und dennoch nach Grundsätzen, die vor aller Erfahrung gewesen wären, entscheiden wollte, wie ein für allemal solche Dinge beschaffen sein müssten: dies man Ontologie [Lehr vom Sein]. Kant zeigte, dass eben weil man vor aller Erfahrung über ihre Beschaffenheit urteilen [Aussagen machen] könne, sie keine Dinge an sich wären, sondern [nur] Erscheinungen.

Und diese Wahrheit, dass eben weil wir über die Beschaffenheit der die vorhandene Welt ausmachenden Dinge das Allgemeinste durchaus vor aller Erfahrung, d.i. a priori wissen, diese Dinge schlechterdings nur Erscheinungen sind, nicht Dinge an sich, nicht so, wie sie erscheinen, für sich bestehende Wesen, und der hieraus entspringende Unterschied zwischen Erscheinung und Ding an sich: Das ist der Kern der ganzen Kant’schen Philosophie, die Erkenntnis davon ist der Geist derselben. - Nachher folgt ein Lob Kants und seiner Lehre, welcher aber die Vollendung fehle, die er [Schopi] geleistet habe.

16.7.10 08:16

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